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Airbag Zertifikat
Finanzwissen - Zertifikate - Spezielle Produkte
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Welche Funktion hat der Airbag in einem Auto? Er ist dazu da, um Personenschäden bei Unfällen zu verhindern oder sie jedenfalls zu verringern. Genauso verhält es sich letztlich bei den Airbagzertifikaten auch. Mittels eines Airbag Zertifikates profitiert der Anleger zu 100% an der positiven Entwicklung eines Basiswertes. Wie bei vielen anderen Zertifikaten auch, gibt es verschiedene Basiswerte. Es kann sich z.B. um Einzelaktien oder ganze Indizes handeln. Ein Airbag Zertifikat ist mit einem Absicherungslevel versehen, welches unterhalb des aktuellen Aktienkurses liegt. Weiterhin sind Airbag Zertifikate in ihrer Laufzeit begrenzt. Je nach Höhe des Aktienkurses ergeben sich am Ende der Zertifikatlaufzeit verschiedene Szenarien. Diese sollen anhand eines Beispiels verdeutlicht werden. Nehmen wir an, der aktuelle Aktienkurs beträgt 100€, die Zertifikatlaufzeit 1Y und das Absicherungslevel liegt bei 80€.

Szenario 1 (Aktienkurs ist gestiegen auf 120€):

Bezogen auf das Eingangsbeispiel mit dem Auto Airbag bedeutet ein Kursanstieg letztlich eine unfallfreie Fahrt. Der Investor bekommt aus dem Zertifikat den vollen Aktienkurs zurückgezahlt und hat somit 20€ bzw. 20% Rendite erwirtschaftet.

Szenario 2 (Aktienkurs liegt zwischen Einstiegs- und Sicherungslevel z.B. bei 90€):

Wenn der Aktienkurs am Ende der Zertifikatlaufzeit auf oder über dem Sicherungslevel (80€) und unter dem Einstiegspreis (100€) notiert, bekommt der Investor sein eingesetztes Kapital (100€) zurück. Unter automobilen Gesichtspunkten war dies ein leichter Unfall, der mittels Airbag zu überhaupt keinem Schaden geführt hat. (von entgangenen Zinsen und evtl. Gebühren usw. einmal abgesehen).

Szenario 3 (Aktienkurs liegt unter dem Sicherungsniveau (80€) z.B. bei 50€):

Es handelt sich jetzt also um einen handfesten Unfall. Wie beim Automobil, kann auch das Airbagzertifikat nicht verhindern, dass es möglicherweise Verletzungen gibt. Jedoch werden diese verringert. Der Anleger eines Airbagzertifikates ist im Fall stark fallender Kurse besser gestellt, als der Aktiendirektinvestor.

 

Der Kursverlauf der des Zertifikates sieht für die drei Szenariofälle folgendermaßen aus:


Es lässt sich deutlich erkennen, dass der Anleger im Szenario 1 (rechte Chartseite) 1:1 an dem Kursanstieg partizipiert. Im mittleren Bereich, also zwischen Absicherungs- und Einstiegslevel, erhält der Kunde seinen Einstiegskurs zurück. Im Szenario 3 (linke Chartseite) ist der Zertifikatinhaber an den Verlusten der Aktie beteiligt. Jedoch lässt sich deutlich erkennen, dass die Verluste (blaue Linie) geringer sind, als bei einer vergleichbaren Aktiendirektinvestition (orangefarbene Linie).

Da es im Kapitalmarkt nichts geschenkt gibt, stellt sich die Frage, wie der Inhaber eines Airbagzertifikates sich die Sicherheit erkauft, wenn er sogar an denKurssteigerungen zu 100% beteiligt ist. Wie so oft bei Zertifikaten, erhält der Zertifikatinhaber keine Dividende oder sonstige Zuflüsse der Aktien, die ein Aktiendirektkäufer allerdings erhalten würde. Der Käufer eines Airbagzertifikates tauscht also Dividendenzahlungen gegen eine teilweise Kursabsicherung ein. Bei Airbag Zertifikaten auf Indizes wird oft der Preisindex und nicht der Performanceindex verwendet (siehe dazu auch Artikel Was unterscheidet Fonds von Zertifikaten). Auch hier werden Dividendenzahlungen nicht an den Zertifikatinhaber weitergeleitet. Von manchen Indizes gibt es keine (dividendenfreie) Preisnotierung. Für diesen und weitere Sonderfälle gibt es noch zwei weitere Möglichkeiten, wie sich der Zertifikatinhaber seine Sicherung erkauft. Zum einen kann das Zertifikat mit einem Aufschlag emittiert werden. Für diesen Fall ist es wichtig zu schauen, ob sich der Einstiegskurs bzw. das Sicherungslevel auf den Zertifikatpreis mit oder ohne Gebühr bezieht. Zum zweiten kann auch die Teilnahme an Kurssteigerungen begrenzt werden. So ist die maximale Gewinnmöglichkeit begrenzt. Steigt der Aktienkurs über diese Maximalmarke (Cap) wird trotzdem nur der Cap Preis zurückgezahlt. Eine ähnliche Konstruktion findet sich auch beim Discount Plus Zertifikat.

Ein Airbag Zertifikat ist für Investoren interessant, die grundsätzlich von steigenden Märkten ausgehen. Das Airbag Zertifikat bietet den Vorteil, dass der Anleger unbegrenzt und zu 100% an Kurssteigerungen partizipiert und dennoch einen Risikopuffer hat, der bei leicht fallenden Kursen die Verluste neutralisiert. Weiterhin ist der Zertifikatinhaber auch bei stark fallenden Kursen besser gestellt, als ein Direktinvestor. Nachteilig ist jedoch, dass der Airbag mit einem Dividendenverzicht oder anderweitigen Abschlägen erkauft werden muss. Wie bei vielen Zertifikaten werden die strukturierten Komponenten mittels Optionen abgebildet. Der Preis von diesen Optionen wird oftmals durch zahlreiche Einflussfaktoren bestimmt, wie z.B. die Volatilität. Dies bedeutet, dass sich der Preis eines Zertifikates während der Laufzeit manchmal etwas anders entwickelt, als es der Investor erwartet. Zum Ende der Zertifikatlaufzeit spielt dies aber keine Rolle mehr und es greifen die Szenarien, wie oben vorgestellt. Es sei nochmals hervorgehoben, dass die Sicherung erst zum Ende der Laufzeit aktiv ist. Der Kurs des Zertifikates kann während der Laufzeit auch unterhalb des Ausgabepreises bzw. des Sicherungslevels liegen.

 

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