Der Forward Devisenkurs (oder auch Devisenterminkurs, Forward FX Rate, Forward Kurs, Forward Rate etc.) wird im Zusammenhang mit Devisentermingeschäften benötigt. Um es gleich noch komplexer darzustellen, Forward Rates gibt es natürlich für alle möglichen Kurse und Preise, also auch Zinsen, Aktienkurse usw. Dieser Artikel soll erklären, wie Forward Preise im Devisenhandel zu Stande kommen.
Im Standard werden Devisengeschäfte als sog. Kassa Geschäfte abgeschlossen. Die Funktionsweise ist in einem
eigenen Artikel erläutert. Der Kassa Währungskurs ist auch meistens der Wert, der oft zur Information abgebildet wird (Internet, Fernsehen, etc). Aus verschiedenen Gründen kann es aber notwendig sein, ein Devisengeschäft erst später auszuführen. Bei einem derartigen Geschäft spricht man auch von einem
Devisentermingeschäft (DTG). Notwendig sind solche DTG zum Beispiel bei der Absicherung von Währungsrisiken in Unternehmen (
siehe dazu auch unser Spezialartikel).
Letztlich gibt es Termingeschäfte auch im "wahren" Leben. Bucht man beispielsweise im Frühjahr verbindlich eine Reise für den Sommer, entspricht dies genaugenommen einem „Forward Urlaubsgeschäft“. Der einzige Unterschied zum „Kassa Urlaubsgeschäft“ ist, dass die Reise nicht sofort, sondern in ein paar Monaten stattfindet. Ansonsten sind die restlichen Vereinbarungen analog. Die Reise ist verbindlich gebucht, der Preis und alle weiteren Daten sind fixiert. Denken Sie doch mal über eine Neuwagenbestellung nach, der der Sie oft mehrere Wochen oder Monaten auf das Fahrzeug warten müssen. Auch hier handelt es sich genau genommen um ein Forwardgeschäft. Handels- und Valutatag (oder auch als Settlement bezeichnet) fallen auseinander. Der Handelstag ist der Tag, an dem Sie mit Ihrem Kontrahenten eine verbindlichen Vertrag abschließen, bei dem Preis, Menge usw. bekannt sind. Allerdings findet das sog. Settlement nicht wie beim Kassageschäft sofort, sondern nach einer bestimmten Zeit (=Forwardperiode) statt.
Nun gibt es in der Finanzwelt aber keinen „Frühbucher Rabatte“. Dennoch ist es meisten so, dass sich der Kurs für ein DTG und der aktuelle Kassa Kurs unterscheiden. Zum Beispiel kann der aktuelle EUR/USD Kurs 1,50 und der Forward Kurs für EUR/USD in einem Jahr 1,53 betragen. Sehr oft wird nun davon ausgegangen, dass es sich bei dieser Differenz um Bankmargen, Spekulation oder Erwartungen handelt. Das diese Annahme nicht richtig ist, soll im Folgenden gezeigt werden.
Ein Beispiel
In der Euro Zone beträgt der Zinssatz für einjährige Geldanlagen und –aufnahmen 5%. In den USA kann man sein Geld bei einer einjährigen Laufzeit für 10% anlegen bzw. aufnehmen. Der aktuelle EUR/USD Kurs beträgt 1,50.
Für 1.000 EUR erhält man also im Kassageschäft genau 1.500 USD. Nun möchten die beiden Akteure (der USD Verkäufer und der EUR Verkäufer) ihre Währungen nicht sofort, sondern erst in exakt einem Jahr tauschen. Beide möchten dieses Forward Geschäft aber schon heute verbindlich abschließen und natürlich auch den (fairen) Tauschkurs in einem Jahr festlegen.
Um diesen zu ermitteln, nehmen sie folgendes an: Der USD Verkäufer wird sein Kapital nicht ein Jahr lang zinslos herumliegen lassen, sondern kann die 1.500 USD noch ein Jahr lang zu 10% anlegen und einen Gesamtbetrag von 1.650 USD (1500 + 150 Zinsen) erwirtschaften.
Der EUR Besitzer kann dies natürlich auch tun und erhält nach einem Jahr 1050 EUR (1000 + 50 Zinsen [5%]). Den fairen Tauschkurs zu ermitteln heißt, dass keiner der Beiden in einem Jahr besser oder schlechter gestellt sein soll. Würde man z.B. den aktuellen Kassakurs als Terminkurs vereinbaren, bedeutet dies, dass der EUR Verkäufer für seine 1.050 EUR nur (1.050 * 1,50) USD 1.575 erhalten würde. Damit hätte der USD Verkäufer einen Gewinn i.H.v. (1.650 – 1.575) = 75 USD und wäre somit besser gestellt. Um dies zu vermeiden muss die Differenz genau 0 betragen.
Somit kann man die Formel auch allgemein darstellen:
0 = USD Betrag in einem Jahr – EUR Betrag in einem Jahr * fairer Kurs.
Umgestellt ergibt sich folgende Formel:
Fairer Kurs = USD Betrag in einem Jahr / EUR Betrag in einem Jahr
Für das Beispiel bedeutet dies: Der faire Forwardkurs beträgt: 1.650 / 1.050 = 1,5714.
Die Formel kann man noch etwas weiterverarbeiten, um sich die Berechnung der Endbeträge in einem Jahr zu sparen. Diese ergeben sich aus ja der Verzinsung des heutigen Kapitals.
Somit kann die Formel auch lauten:
Fairer Kurs = (USD Betrag heute * [1+Zins USD /100 * Forward Periode /365]) / (EUR Betrag heute * [1+Zins EUR /100 * Forward Periode /365])
Etwas vereinfacht heißt dies:
Fairer Kurs = USD Betrag heute / EUR Betrag heute * (1+Zins USD /100* Forward Periode /365) / (1+Zins EUR /100* Forward Periode /365)
Wobei der Teil USD Betrag heute / EUR Betrag heute natürlich dem aktuellen Kassa Kurs entspricht. Zusammenfassend gilt also:
Fairer Kurs = heutiger Kassa Kurs* (1+Zins USD /100* Forward Periode /365) / (1+Zins EUR /100* Forward Periode /365)
Setzen wir die Werte aus unserem Beispiel ein:
Fairer Kurs = 1,50 * (1+10/100*365/365) / (1+5/100*365/365) = 1,50 * 1,10/1,05 = 1,5714.
Siehe da, es ergibt sich der gleiche Kurs wie obig errechnet.
Fazit aus dem Beispiel
Der Grund für den Unterschied von Kassa- und Terminkurs ist keine Spekulation, sondern der Zinsunterschied der beiden Währungen und damit die erzielbaren Zinsbeträge innerhalb des Forwardzeitraums.
Swappoints oder Swapsatz
Die Differenz zwischen dem Forwardkurs und dem Kassakurs wird auch als Swappoints oder Swapsatz (oder auch FX Swap) bezeichnet. In unserem Beispiel wären die Swappoints also 1,5714 – 1,50 = 0,0714. Da Devisenhändler sich ihr Leben vereinfachen möchten, lassen sie die vielen Nullen weg und reden in diesem Beispiel von sog. 714 pips. Diese Pips werden beginnenden von der letzten Stelle (im Falle des USD also die vierte Nachkommastelle) aufaddiert.
Gibt es auch negative Swappoints?
Man könnte sich die Frage stellen, was passieren würde, wenn das Zinsniveau umgekehrt wäre, also 10% im Euro Raum und nur 5% in den USA. Ganz einfach, dann gäbe es anstelle eines Aufschlages ein Abschlag. Rechnen wir doch mal:
Fairer Kurs = 1,50 * (1+5/100* 365/365)/(1+10/100* 365/365) = 1,50* (1,05/1,10) = 1,4318.
Die Forward Points ergeben sich aus: 1,4318 – 1,50 = –0,0682 oder –682 pips.
Die Forward Points können also auch negativ sein und der Forward Kurs somit unterhalb des aktuellen Kassa Kurses liegen. Dies wird immer dann passieren, wenn die Zinsen der Fremdwährung (hier USD) kleiner als die der Heimatwährung (EUR) sind.
- Zinsen in Fremdwährung < EUR Zinsen → negative Swappoints (Forwardkurs < Kassakurs)
- Zinsen in Fremdwährung > EUR Zinsen → positive Swappoints (Forwardkurs > Kassakurs)