Viele Controller, Buchhalter und Treasurer kennen das Problem: Zukünftige (antizipierte) Zahlungsströme werden mittels Devisentermingeschäften abgesichert. Sowohl während der Sicherungsperiode (z.B. ein Geschäftsjahr), als auch am Ende dieser Periode ist das Netto Währungsergebnis aus dem Buchungssystem (z.B. SAP) nicht ausgeglichen. Insebsondere wenn dieses Ergebnis negativ ist, muss sich der o.g. Personenkreis diversen Fragen und Diskussionen um die Sinnhaftigkeit der Währungssicherung stellen. Warum es trotz eines perfekten Hedges zu diesem Phänomen kommt, soll in diesem Artikel näher beschrieben werden.
Sicherungsmodell
Im Regelfall sieht ein einfaches Sicherungsmodell für die Währungssicherung antizipativer Zahlungsströme folgendermaßen aus:
Abbildung 1: Sicherung antizipativer Zahlungsströme
Es werden also zum Zeitpunkt der Budgetverabschiedung bereits die erwarteten netto Zahlungsströme in einer Währung per Devisentermingeschäft verkauft. In der Grafik wird auch ersichtlich, dass sich der Zahlungszeitpunkt auch aus der Rechnungslaufzeit ergibt. Wird beispielsweise im Januar etwas in die USA geliefert, kann der eingentliche Zahlungsstrom aufgrund des gewährten Zahlungsziels erst Monate später eintreffen (im Beispiel wäre dies März).
Buchhalterischer Zusammenhang zwischen Grund- und Sicherungsgeschäft
Da die Sicherungsgeschäfte nach Budgetverabschiedung - also wesentlich eher als die erste Forderungseinbuchung stattfindet - abgeschlossen werden, kommt es oftmals nicht zum Ausgleich der Währungsergebnisse beider Seiten. Diese Diskrepanz verdeutlicht auch die nachfolgende Grafik:
Abbildung 2: Marktwertdifferenzen aus Grund- und Sicherungsgeschäft
Im Beispiel ist der EUR/USD Kurs (blau gestrichelte Linie) zum Budgetverabschiedungszeitpunkt bei 1,0. Zu diesem Kurs wird auch das Sicherungsgeschäft (Verkauf USD und Kauf EUR) abgeschlossen. Ab diesem Zeitpunkt steigt der EUR/USD Kurs (=schwächerer USD). Der Marktwert (hellgrüne Fläche) des abgeschlossenen Sicherungsgeschäftes entwickelt sich analog positiv (= verglichen mit dem Markt erhält man mehr EUR als wenn man das gleiche Geschäft zum Bewertungszeitpunkt (fiktiv) nochmals abschließen würde). Ab dem Zeitpunkt der Forderungseinbuchung wird auch der Gewinn oder Verlust aus Währungsänderung dieser im Buchungssystem berechnet (orange Fläche). Ebenfalls ab dem Einbuchungszeitpunkt neutralisieren sich die Veränderungen der währungsbedingten Marktwerte des Sicherungs- und des Grundgeschäftes, so dass die Netto Währungsposition konstant bleibt.
Buchhalterisch sind zwei Effekte zu verzeichnen, die dazu führen, dass selbst bei einer wirtschaftlich perfekten Sicherungsbeziehung das bilanzielle Netto Währungsergebnis nicht ausgeglichen ist:
Effekt 1: Differenz aufgrund zeitlicher Diskrepanz bei der Abbildung im Buchungssystem
Wie obig beschrieben werden die Sicherungsgeschäfte zeitlich betrachtet wesentlich eher abgeschlossen, als die zugrunde liegenden Transaktionen aus Lieferung und Leistung (LuL). Durch die bei Abschluss des
DTG entstehende Verpflichtung müssen diese Geschäfte ab dem Handelsdatum in das Buchhaltungssystem übernommen werden, was gemäß IFRS zu einer erfolgswirksamen Verbuchung der Marktwertänderungen führt. So werden schon vor Eintritt der Grundgeschäftstransaktion entsprechende Währungsergebnisse zum Bilanzstichtag auftreten, die keinen bilanziellen „Gegenpol“ besitzen. Dieser Effekt ist im linken Teil der Abbildung 2 dargestellt und bezieht sich auf den Zeitraum zwischen Abschluss der Sicherungsgeschäfte und Einbuchung der Forderung. Zu beachten ist, dass diese Ausprägung umso stärker in Erscheinung tritt, je länger der Zeitraum zwischen Abschluss der Sicherungsgeschäfte und eigentlichem Sicherungszeitraum ist. Dies kann insbesondere dann relevant sein, wenn innerhalb dieses „Schwebezeitraums“ ein Geschäftsjahresabschlusstermin liegt. Sind die Marktwerte der Sicherungsgeschäfte negativ, kann dies bei einem ungeneigten Bilanzleser schnell zur (irrigen) Annahme führen, dass eine nicht ausreichende Währungssicherung oder sogar eine Spekulation vorliegt. Hier kann es notwendig sein, zusätzlich erläuternde Aussagen zum Sachverhalt zu treffen. Dabei können auch weitere Controllingbasierten Auswertungen hilfreich sein.
Effekt2: Spannendifferenz
Selbst wenn das verabschiedete Budget zeitlich und betragsmäßig zu 100% erfüllt werden würde, wird das Nettowährungsergebnis gemäß Buchhaltungssystem im Regelfall nicht ausgeglichen sein. Die vereinfachte Begründung beruht darauf, dass dem Buchhaltungssystem der eigentlich Budget- oder Plankurs nicht bekannt ist. Erst mit Einbuchung der Forderung wird für diese ein Währungsergebnis ausgewiesen. Würde die Forderung betragsmäßig der Sicherung entsprechen, bleibt ab diesem Zeitpunkt das Netto-Währungsergebnis zwar konstant, ist aber nicht ausgeglichen. Dieser Sachverhalt ist auf der rechten Seite der Abbildung 2 dargestellt und bezieht sich auf den Zeitraum zwischen Einbuchung der Forderung und Realisierung beider Geschäftsvorfälle (Geldeingang und Settlement des Sicherungsgeschäftes). Die Differenz zum Zeitpunkt der Forderungseinbuchung, wird auch als Spanneneffekt bezeichnet.
Fazit:
Die Auswertung des Netto-Währungsergebnisses gemäß dem Buchhaltungssystem führt zu irrtümlichen Aussagen bezüglich der (wirtschaftlichen) Sicherungseffizienz. Aus diesem Grund ist eine Controlling basierte Nachbetrachtung empfehlenswert. Wenn die Forderung in das Buchhaltungssystem übernommen wird, hat bereits eine Entwicklung des ursprünglichen Plankurses zum aktuellen Einbuchungskurs stattgefunden, welche bilanziell nicht direkt abgebildet wird. Wirtschaftlich betrachtet ist aber der Euro Gegenwert bei Einbuchung höher oder niedriger als in der Planung veranschlagt. Dieser Spanneneffekt lässt sich nur Controlling basiert ermitteln und ist aus dem Buchhaltungssystem nicht direkt ablesbar. Einen weiteren Artikel zum Thema Spannenwirkung bei der Währungssicherung können Sie
hier finden.