Aufgrund der aktuellen Kapitalmarktsituation haben viele Banken das Problem der Refinanzierung von Krediten. Durch die Turbulenzen der Krise und der damit verbundenen Ratingverschlechterungen müssen die Banken selbst höhere Kosten für die Refinanzierung am Kapitalmarkt zahlen. Diese höheren Kosten – Funding Costs, Funding Spreads etc. genannt – stellen sie den Kreditnehmern in Rechnung.
Ein Umstand, der bei den kreditlastigen Unternehmen keine Freude ausbrechen läßt – zumal die Unternehmen an sich für die Schieflagen der Banken bis dato nur im geringen Umfang (Abschreibungen für Firmenkredite) verantwortlich sind. Trotzdem ist es eine vollkommen nachvollziehbare Entwicklung auf Bankenseite – wenn ein Gut verknappt wird, steigt der Preis. Dieses knappe Gut stellt momentan die Liquidität sprich die Kreditausreichung dar – daher auch die zusätzlichen Kosten, die gern auch als versteckte Marge von Unternehmen aufgefasst und leider in Teilen von Bankseite auch so instrumentalisiert wird.
Diese dargestellte Entwicklung führt dazu, dass momentan langfristige Finanzierungen – unabhängig vom höheren Marktzins – teurer sind. Grund dafür sind die beschriebenen Funding Spreads. Auch für Banken ist es zur Zeit teurer, Geld für längere Laufzeiten einzusammeln. Das Ausfallrisiko einer Bank ist auf Sicht von 12 Monaten im Vergleich zu 7 Jahren geringer.
Banken umgehen in ihrer täglichen Praxis diese Diskussion gern, indem sie ihren Kunden auch für Langfristfinanzierungen eine zeitlich beschränkte Margenzusage (die oftmals auch als Konditionenzusage bezeichnet wird) erteilen – soll heißen, für eine Investition von 7 Jahren wird ein Darlehen ausgereicht, dass jedoch nur eine Margenbindung von z.B. 12 Monaten hat. Damit umgeht die Bank die höheren Finanzierungskosten und kann dem Kunden niedrigere Aufschläge anbieten.
Unterschiede in diesem Punkt kann man in der Bankenlandschaft durchaus finden. Einige Banken bespielen dieses Thema sehr stark und vor allem auch transparent, für andere Kreditinstitute spielt dieser Punkt in der Konditionenvergabe fast keine Rolle.
Dies ist vor allem auf 2 Punkte zurückzuführen:
- Banken nutzen verschiedene Ratingsysteme und haben damit in der Regel auch eine andere Margenkalkulation. In einigen Fällen wird dieses Thema auch gern genutzt, um die Margen auszuweiten bzw. gegenüber dem Kreditnehmer Abwehrkonditionen zu stellen. Frei nach dem Motto – den Kredit so verteuern, dass er sich für die Bank rechnet, wenn der Unternehmer ihn doch in Anspruch nimmt.
- Der zweite Punkt ist einfach das deutsche Bankensystem. Viele der kleineren Banken (Raiffeisenbanken, Sparkassen etc.) haben das Problem der Refinanzierung nicht. Diese Banken refinanzieren sich oftmals ausschließlich über Kundeneinlagen und haben daher keine erhöhten Kosten zu zahlen.
Unabhängig von der aktuellen Vorgehensweise der Banken ist dabei für die Treasury-Abteilung eines Unternehmen ein Punkt wichtig:
Im Rahmen der Investitionsplanung gilt eine wichtige Regel: „Langfristige Güter müssen auch langfristig finanziert sein“. Alle anderen Lösungen können – so zeigen vor allem die Lehren der Finanzkrise – relativ schnell zu einem Liquiditätsrisiko führen. Das heißt der Treasurer muss Wert darauf legen, dass trotz kurzfristiger Margenzusage die Bank auch für die geplante Investitionsdauer als Kreditgeber zur Verfügung steht. Eine Verkürzung der Finanzierungszusage sollte unter diesem Gesichtspunkt im Zweifel auch zu Lasten der Konditionen vermieden werden.
Ein prominentes und leider für den deutschen Steuerzahler sehr teures Beispiel, wie man es nicht praktizieren sollte, ist die HRE (jetzt Deutsche Pfandbriefbank). Der Zusammenbruch der Bank ist genau auf solche Fehler zurückzuführen – langfristige Investionsfinanzierungen wurden nur kurzfristig refinanziert. Als der Markt nach der Lehmann-Pleite dann zusammenbrach und kaum noch Liquidität zur Verfügung stand, konnte selbst die HRE als Bank ihre fälligen Darlehen am Markt nicht mehr refinanzieren. Dies führte dann dazu, dass der Staat mit Steuergeldern in Höhe von ca. EUR 100 Mrd. einspringen musste, um die Insolvenz der Bank zu verhindern.
Fazit:
Auch wenn eine kurzfristige Margenzusage Konditionsvorteile ermöglicht, ist seitens der Treasury darauf zu achten, dass es sich um eine laufzeitkongruente Finanzierung handelt !
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